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Neue EU-Richtlinien zu Dark Patterns – das Ende der Manipulation in Online-Shops?
Was ist da los?
Die Europäische Union führt neue Vorschriften in Bezug auf sogenannte Dark Patterns ein – manipulative Techniken, die in digitalen Schnittstellen eingesetzt werden.
Warum ist das wichtig?
Digitale Unternehmen müssen die Gestaltung ihrer Online-Shops ändern, um hohe Geldstrafen zu vermeiden.
Für wen ist das wichtig? Für
Online-Shop-Betreiber, UX/UI-Designer, Spezialisten für digitales Recht und Marketingteams.
Im März 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission detaillierte Leitlinien zur Beseitigung von Dark Patterns. Dabei handelt es sich um Designmuster, die Nutzer unlauter dazu verleiten, entgegen ihren Absichten zu handeln – beispielsweise zuzustimmen, Dienstleistungen zu erwerben oder zu kündigen. Diese Praktiken sind in der digitalen Welt seit Jahren verbreitet, müssen nun aber – unter Androhung empfindlicher Strafen – von den Benutzeroberflächen von Online-Shops und -Anwendungen verschwinden. Dies ist der nächste Schritt zur Umsetzung der Bestimmungen der Omnibus-Richtlinie und des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA).
Was sind Dark Patterns und wo findet man sie?
Dark Patterns sind Designtricks, die die Psychologie der Nutzer ausnutzen, um Entscheidungen zu beeinflussen. Beispiele?
- Die Schaltfläche „Alle akzeptieren“ ist in den Cookie-Einstellungen größer als die Schaltfläche „Einstellungen“
- Automatisch aktivierte Kontrollkästchen beim Abonnieren oder Hinzufügen von Produkten
- Meldungen wie „Nur noch 1 Artikel auf Lager!“ haben keine Grundlage in der Realität
- Schwieriger Abmeldevorgang (sogenanntes Kakerlakenhotel)
- Den tatsächlichen Preis verschleiern, indem beispielsweise Sonderangebote oder Teilkosten hervorgehoben werden
- Dadurch wird das Abmelden erschwert
- Förderung von Handlungen, die für den Kauf nicht notwendig sind
- Die Information zu verbergen, dass ein bestimmter Preis nur beim Kauf mehrerer Produkte gültig ist
- Zurückhaltung wichtiger Produktinformationen (z. B. Gegenanzeigen)
- Künstliche Vergrößerung von Grafiken und Bildern zur Hervorhebung irrelevanter Produktmerkmale
Die neuen Richtlinien stellen klar, dass solche Aktivitäten als irreführende Geschäftspraktiken gelten und mit finanziellen Strafen geahndet werden können.
Welche Folgen wird das für die digitale Welt haben?
Geänderte Vorschriften erfordern die Überarbeitung vieler Elemente von Online-Shops, Zahlungssystemen, Newslettern und Formularen. Große Plattformen führen bereits UX-Audits durch, doch die Vorgaben gelten auch für kleine Unternehmen. Die EU hat Kontrollen angekündigt, und Sanktionen können bis zu 4 % des Jahresumsatzes betragen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Einhaltung der neuen Regeln zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Online-Unternehmens wird – nicht nur aus rechtlicher Sicht, sondern auch für das Markenimage.
Welche Vorteile bietet die Beseitigung von Dark Patterns?
Die Beseitigung manipulativer Designmuster ist nicht nur eine Frage der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen, sondern auch eine Investition in Vertrauen und langfristige Markenentwicklung. Hier die wichtigsten Vorteile:
- Gesteigertes Kundenvertrauen – Transparenz und Ehrlichkeit in der Benutzeroberfläche stärken die Glaubwürdigkeit der Marke. Kunden fühlen sich wertgeschätzt und empfehlen den Online-Shop eher weiter.
- Ein besseres Nutzererlebnis (UX) – keine versteckten Kosten und Frustrationen während des Einkaufserlebnisses führen zu größerer Zufriedenheit, niedrigeren Absprungraten und längerer Verweildauer auf der Website.
- Höhere Konversionsrate auf lange Sicht – obwohl Dark Patterns manchmal vorübergehend den Umsatz steigern, schafft Transparenz Loyalität und wiederholte Käufe, was im Laufe von Monaten und Jahren zu echten Gewinnen führt.
- Weniger Beschwerden und Rücksendungen – die Nutzer treffen fundiertere Entscheidungen, was zu weniger Fehlkäufen und einer geringeren Belastung des Kundendienstes führt.
- Bessere Markenpositionierung – Online-Shops, die keine Manipulationen anwenden, werden als ethischer und innovativer wahrgenommen, was ihrem Image in den Medien und der Branche zugutekommt.
- Rechtssicherheit – die Einhaltung der EU-Vorschriften (DSA, Omnibus) bietet Schutz vor finanziellen Strafen und behördlichen Kontrollen.
Was sollten Unternehmen in der digitalen Welt tun?
- Führen Sie eine Überprüfung der Benutzeroberfläche und der Inhalte durch – prüfen Sie alle Kundenkontaktpunkte auf Einhaltung der neuen Richtlinien.
- Die Einhaltung der Cookie-Richtlinien und der Marketing-Einwilligungen muss gewährleistet sein – die Nutzer müssen eine echte Wahlmöglichkeit haben.
- Vereinfachen Sie Stornierungs- und Rückerstattungsprozesse – je transparenter der Prozess, desto geringer das Risiko einer Beschwerde oder einer Strafe.
- Führen Sie Schulungen für das Team ein – die Abteilungen UX, Marketing und Recht sollten zusammenarbeiten.
- Ziehen Sie einen E-Commerce-Berater hinzu – zum Beispiel durch ein Online-Shop-Audit oder eine Schnittstellenanalyse.
Werden Dark Patterns vollständig aus dem Internet verschwinden?
Es ist zwar unwahrscheinlich, aber ihre Zahl wird mit Sicherheit deutlich sinken. Die von der EU erzwungenen Änderungen senden ein klares Signal: Die digitale Welt muss ethisch, transparent und benutzerfreundlich sein. Unternehmen, die sich als erste an die neuen Bestimmungen anpassen, werden sich einen Wettbewerbs- und Imagevorteil verschaffen. Die kommenden Monate werden von intensiver Implementierung, Schulung und Erprobung neuer, mit europäischem Recht konformer UX-Designstandards geprägt sein.
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Marcin Stadnik
E-Commerce-Berater
Der Autor ist Manager mit umfassender Erfahrung in E-Commerce, Vertriebsstrategie und Content-Marketing. Als Digitalexperte und Berater verfügt er über mehr als 15 Jahre Erfahrung in E-Commerce-Projekten, Vertriebsstrategie und Online-Geschäftsentwicklung sowie über 25 Jahre Erfahrung im Vertrieb (offline und online). Er ist spezialisiert auf die Entwicklung und Implementierung effektiver Lösungen für Online-Shops und unterstützt Unternehmen beim Aufbau ihrer digitalen Präsenz. Er entwickelt gemeinsam mit ihnen passende Strategien für E-Businesses, führt Audits durch und überwacht Marketingaktivitäten – stets unter Einbeziehung analytischer Kenntnisse und praktischer Markterfahrung. Er ist Autor und Co-Autor von Inhalten auf der Website swiatcyfrowy.pl, die auf seiner langjährigen Beratungs-, Analyse- und Betriebserfahrung basieren. Die erstellten Materialien sollen verlässliches und wertvolles Wissen vermitteln, das die Entwicklung von Online-Unternehmen aktiv unterstützt. Die Inhalte sind darauf ausgerichtet, die realen Herausforderungen und Bedürfnisse von Unternehmen im E-Commerce-Umfeld (der digitalen Welt) zu adressieren.


